Es war eine spannende Woche

Eine interessante Woche geht ihrem Ende entgegen.

Da war zunächst meine Lesung mit Khaled Shomali in Brühl.

Sie fand in der Buchhandlung Karola Brockmann statt.

Der Abend war einfach wunderbar. So viele interessierte Zuhörer kamen.

Frau Brockmann und ihr Mann bieten zahlreiche Veranstaltungen an.

Das bedeutet auch jedesmal sehr viel Arbeit.

Dankeschön von Herzen für alle Mühe!

Dann folgte unsere gemeinsame Lesung auf der Mülheimer Lesebühne,

die seit vielen Jahren von Manfred Wrobel veranstaltet wird.

Eike und ich bedanken uns von Herzen für den wunderschönen Abend!

Manni hatte wieder ein tolles Programm auf die Beine gestellt.

Es war abwechslungsreich wie immer!

Auch an Regina vielen Dank!

Wir kommen gerne wieder.

Das nächste Lesezeichen am 8. Februar mit Wulf Golz

wulf golz ist ein pfadfinder, so einer wie coopers lederstrumpf.

das wurde uns bewusst, als er uns zur premiere des lesezeichens besuchen kam. 

bei seinem eintreffen waren wir schon fast bei den schlussworten angelangt. mit so etwas muss man bei ihm rechnen. wir wurden aber entschädigt durch seine erzählung von den knisterwegen, die er auf seinen ausgedehnten fahrradtouren, und von einer solchen kam er gerade, entdeckte.

wir können uns gut vorstellen, dass er diese und ähnliche erlebnisse in seinen großen roman einbaut, den er uns bei der nächsten ausgabe des lesezeichens am 8. februar vorstellen wird. an dem roman schreibt er bereits seit einigen jahren. die welt, in der er spielt, ist aber noch älter, sie reicht bis in die kinderzeit zurück, als er und sein älterer bruder michael sie zu erschaffen begannen. 

die nachfolgenden links mögen einen eindruck vermitteln, was unsere besucher erwartet. 

wulf wird nicht nur lesen, er wird ganz sicher auch einige zeichnungen und malereien mitbringen. 

übrigens: musizieren tut er auch. es kann also auch ein klangliches erleben werden!

https://www.malzeitler.de/wulf-golz/

https://rp-online.de/nrw/staedte/duisburg/von-fantasiewesen-und-fantasiewelten_aid-17829057

https://www.platzhirsch-duisburg.org/artists-2017/die-brueder-michael-und-wulf-golz

Wir freuen uns auf ihn!!

Hier nochmal unsere neue Lesezeichen Adresse: https://lesezeichen-lintorf.jimdofree.com/

Vorankündigung — Lesezeichen Lintorf

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geplant ab Januar 2020 An jedem zweiten Samstag im Monat laden Lisi Schuur und Eike Falk literaturbegeisterte Menschen dazu ein Einblick in ihre Schreibwerkstatt zu nehmen, stellen eigene Texte und Projekte vor, und werden darüber hinaus versuchen einen für jeden Termin ausgewählten, ihren Besuchern vielleicht bekannten, vielleicht aber auch noch unbekannten Autoren nahezubringen. Zeit: 17 […]

über Vorankündigung — Lesezeichen Lintorf

pourquoi pas + sind = 2 neue gedichtbände

es ist eine große freude. zwei weitere gedichtbände sind fertig geworden.

pourquoi pas

gedichte

lisi schuur

108 Seiten / 7,90€

ISBN 978-3-7322-8348-4

pourquoi pas

– warum nicht

dachte sie sich. und beließ es bei dem französischen titel.

der zukunft raum für vergangenes schenken.

gedichte sind geschaffen dafür.

SIND

gedichte

lisi schuur

104 Seiten / 7,90€

ISBN 978-3-7357-3729-8

aus dem sein

sind

gedichte

geworden

sie beschreiben

das leben

sehen

was möglich

ist

Spiegelreflex // Eike M. Falk

Es ist mir eine Freude!

Das neue Buch von Eike M. Falk stelle ich gerne vor.

Ein sehr außergewöhnlicher Roman. Schonungslos. Nachdenkenswert.

Spiegelreflex

Paperback

280 Seiten

€ 9,90

ISBN-13: 9783748159360

erhältlich überall wo es Bücher gibt

Sein Klappentext:

Ein Zeitroman. 2017/18. Ein Zustandsbericht. Die Republik ist ins Rentenalter eingetreten. Gebrechlichkeiten. Baustellen ohne Plan.

Hier eine Leseprobe, dass sich jeder einen ersten Eindruck verschaffen kann.

leseprobe:

 

barnum / 1

barnum. wie der zirkus. barnum, brandenburg. nest.

hühnerkacke, augentrost, gebrauchte damenbinden im kompost. die hat kirow mir untergeschoben, garantiert.

ich weiß nicht, warum hier so viel augentrost wächst, ich weiß aber, warum kirow das tut.

wenn ich ihn danach fragen würde, würde er sagen: weil kirow das getan hätte.

ich frage ihn aber nicht, weil ich gleich danach fragen würde wo er die damenbinden her hat. das möchte ich nicht. jeder mensch soll seine geheimnisse behalten.

kirow ist kirows form der opposition. die hat ihm seinerzeit zehn jahre bau eingetragen, obwohl stalin längst tot war.

kirow, der am stahl zerbrach, der die kugel bekam.

mein kirow hat auch im stahl gearbeitet.

jetzt gehen wir gemeinsam vor die hunde hier. barnum. nest.

eine sterbende welt.

ich könnte erzählen wie der himmel im herbst durch die decke geht. ich könnte mir vom augentrost einen tee für die augen bereiten. stattdessen sauf ich sie mir mit vodka trüber. ist wohl besser so.

früher hab ich gedacht, wenn ich spüren könnte, wohin der wind weht, könnte ich mit ihm gehen. aber der wind weht immer gegen uns.

bei uns gibt es keine anderen straßennamen als barnum.

barnum 7. das bin ich. flatternder steinhaufen plus bretterbude. kann mir keiner nehmen. will mir keiner nicht.

die straße schlängelt sich durchs dorf, als ob’s hier was zu finden gäbe. jedenfalls müssen die autofahrer vom gas. viele gibt es sowieso nicht. und zu finden wären bloß kirow und ich auf der kirchhofmauer, aber nur eventuell.

am einen ende des dorfes geht es nach mecklenburg rüber, aber nicht bald, sondern irgendwann erst, nach langen alleen, am anderen ende geht es tief in die uckermark hinein. wenn du in dieser richtung weiterfährst besteht gute aussicht auf verschwinden. in einem zeittunnel, in einem der vielen seen, niemand wird danach fragen.

ich sehe in den spiegel, und sehe mein gesicht. ich sehe augenlappen wie von einer bulldogge. meine augen sehe ich nicht, die sind hinter der brille verborgen. wenn ich die brille abnehme, sehe ich meine augen nicht. was vor augen liegt, heißt bei mir im trüben fischen.

mit brille seh ich rote äderchen vom vodka, von den selbstgedrehten. will kein mensch sehen. will ich nicht sehen. will mir stattdessen den bart abrasieren, eine schneise durchs kinn jagen. bringt auch nichts. wenn ich eine rasierklinge hätte, würde ich sie auf die halsschlagader setzen. würde sie hierhin und dorthin schieben, würde fast in tränen versinken, sie dann bekümmert beiseite legen. weil ich ein einziges kümmernis bin. nicht bereit den heldentod zu sterben. wahrscheinlich, weil ich noch zu fest auf den beinen bin. fragt sich bloß, wozu. es muss aber kein wozu geben. es reicht auch hin, den mann im mond walten zu lassen.

mein hiersein ist eine schlichte trotzreaktion. die ganz schön widerstandsfähig sein kann. was zu beweisen bleibt. wofür sich jede anstrengung lohnt.

mit sarkasmus. und vodka.

der sarkasmus ist die vorletzte stufe der verzweiflung. der vodka läutet den untergang ein.

wie ich gelesen habe, besitzen wir nun das zweitgrößte parlament nach china. china! schon mal die bevölkerungszahlen verglichen? und überhaupt: china!

ist das größenwahn?

oder ist es einfach nur ein zuviel an gier?

ich fürchte, es ist letzteres. denn zum größenwahn mangelt es ihnen an geist und fantasie, der erforderte gedanken, wenn nicht gar ein gedankengebäude. dazu sind sie nicht in der lage. sie sind die verwalter des mittelmaßes. man nennt es auch die bürgerliche mitte, der ort, wo sich kramp-karrenbauer und göring-eckardt auf den füßen stehen. diese 700 abgeordneten einer handvoll parteien, die nichts, aber auch gar nichts taugen, und dieser einen, die erst recht nichts taugt.

es vereint sie die gier. sie glauben, dass eine ihnen einigermaßen ansehnlich schmeichelnde talkshowgastgeberin die welt bedeutet.

sie erweist sich ihnen als lippenstift, wenig verwunderlich.

ich glaube, ich könnte kotzen, wahlweise böte eine badewanne duftender essenzen einen gewissen ausgleich.

das system ist korrupt, sagt kirow.

das hat er damals auch gesagt. zehn jahre bau.

heute läuft das anders, da lässt man einen wie ihn einfach vermodern.

diese abgrundtiefe jämmerlichkeit …

sickert unaufhaltsam ein und erstickt deine welt, sagt benno.

meine welt?

benno ist aus dem westen. na schön: west-berlin. aber seit dreizehn jahren hier. wohnt draußen in der wildnis in ner umgebauten datsche, samt atelier.

benno ist bildhauer und kloppt den lieben langen tag auf steinen rum. manchmal auch auf meinen nerven. so wie jetzt. das konnte ich ihm nicht durchgehen lassen.

kirow ist mir aber zuvorgekommen. dort draußen ist sowieso alles scheiße, hat er gesagt. was aber nur wasser auf bennos mühlen war. wir hier, und die dort draußen, verfügte er lapidar, und setzte mit runzelnder miene hinzu: man könnte es auch als eurozentrismus bezeichnen, ich wüsste nur nicht, wo hier ein euro aufzutreiben wäre.

benno ist ein verdammter schlaumeiernder wessie.

hab ich gesagt, dann haben wir gelacht und die flasche rumgehen lassen.

du denkst zu viel, sagt kirow. dabei denkt kirow ununterbrochen. aber kirow denkt in schleifen.

ich denke an den moderator, den ich neulich im fernsehen erlebte als es um den plastikmüll in den meeren ging. ob der von den touristen auf den kreuzfahrtschiffen stammte, die plastiktüten ins wasser werfen, wollte er vom experten wissen.

ich dachte, ich werd nicht mehr! der hat das ernst gemeint. dumm wie bohnenstroh.

nein, sagt benno, das hat system.

schon wieder das system. man könnte zum verschwörungstheoretiker werden.

nix da, sagt benno. es verkrümeln sich die fakten.

75% weniger insekten in den letzten 27 jahren, sprudelt es aus mir raus.

bist du schwalbe?

ich mag schwalben, sagt kirow.

ich seh ihn erstaunt an.

raus aus der schleife.

wie das herz rasen kann. wie es sich zusammenfalten kann wie zwei welke blätter. wie es mir den schweiß auf die stirn treibt und die angst den nacken hochkriecht. das ist aber nur am anfang so, wenn es einsetzt. dann aber gleich der gedanke: es ist vorbei. und: gut so.

ich leg mich flach hin und warte auf das ende. das kommt nicht. das herz pumpt. dann ist es weg. ist aber immer noch da.

außerdem kann ich kirow nicht alleine lassen. der ist so verdammt gesund.

ich wohne hier seit damals, wie sie mich von der humboldt geschasst haben.

ich war nicht berühmt genug für den westen, habe wohl auch nicht laut genug gestrampelt. wollte ich auch nicht. mir gefiel es hier, ich konnte alle meine bücher mitnehmen.

mir gefällt es noch immer. die bücher haben sich vervierfacht.

das damals ist sehr lange her.

etwa zur gleichen zeit kam kirow zurück.

ich hab ihn zu mir geholt. er hatte keinen mehr.

wir waren auch ziemlich gleichalt.

während ich karriere machte und sie gleich wieder verlor, hat er im stahl geschwitzt.

im dorf haben sie getuschelt, wie sie es heute noch tun: da sind die beiden richtigen beisammen.

ich habe gelesen, kirow hat in der lpg den stall ausgemistet. so vergingen unsere tage.

abends habe ich gekocht, dann haben wir uns an den see gesetzt und bier getrunken.

jener ort, der war einmal, da halfen auch keine kerzen im fenster, die hat der wind ausgeblasen, da war auch die erinnerung tot.

Es war ein gutes Jahr ❣️

Zum Abschluss gab es noch eine große Freude für mich.

Gedichte von mir wurden wieder in der Jahreszeitschrift: „Die Quecke“ veröffentlicht. ( Jahreszeitschrift VLH )

Danke schön von Herzen❣️

Die nächsten Lesetermine stehen auch fest.

Am 4.1.2019 bin ich auf der Mülheimer Lesebühne zu Gast

Ich werde aus meinem Buch RheinKilometer 755,5 lesen.

Am 15.2.2019 bin ich in Mülheim „ Zur Fünte“ , Kulturzentrum

Dort lese ich aus meinem Buch „NebelLaut“ (Verlagslesung Crago/Gill Verlag)

❗️❗️ DER TERMIN VOM 15.2.IN DER FÜNTE WIRD IN DEN MAI VERSCHOBEN ❗️❗️

DER NEUE TERMIN STEHT NUN FEST:

❗️❗️Freitag, der 24.5.2019 um 19.30 Uhr ❗️❗️

Meinen Lesern wünsche ich einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2019

Möge es für uns alle ein gelingendes Jahr werden ❣️

Nachtrag:

Die Lesung vom 15.2.2019 in Mülheim fällt aus.

Der Termin verschiebt sich in den Mai 2019

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Es war mir ein Anliegen dieses Buch zu schreiben.
Und freue mich, dass es nun fertig geworden ist.

Der Rhein in Kaiserswerth

Meine Gedanken, die sich mit ihm beschäftigen,
der bis heute ein treuer Begleiter meines Lebens ist.

Wunderbare Fotos von Eike M. Falk ergänzen den Text.

Alle Aufnahmen in Schwarz-Weiß,
dass sich der Blick auf das Wesentliche richten kann.

Rhein Kilometer 755,5

Lisi Schuur

ISBN 978-3752840742

Das Buch mit 88 Seiten kostet 5,90€

Überall im Buchhandel erhältlich

55. Mülheimer Lesebühne

http://www.lokalkompass.de/muelheim/kultur/die-55-muelheimer-lesebuehne-ein-bericht-von-rolf-blessing-d887634.html

Es war ein schöner Abend mit einem kurzweiligen Programm.
Danke schön an das gesamte Team der Mülheimer Lesebühne!

Und über eine solche Kritik kann ich mich nur sehr freuen.

Rolf Blessing im Nachbericht der Mülheimer Lesebühne:
………

Mit Gedichten, die mich aufgrund ihrer Atmosphäre und den erzeugten Bildern stark an Zeilen von Shakespeare erinnert haben und einer Geschichte vom alten Gretchen fesselte Lisi Schuur ihre Zuhörer. Ihre sehr klare und unwiderstehliche Art des Vortrages fesselte das Publikum derart, dass alle Randgespräche verstummten und man eine Nadel hätte fallen hören können.

……

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2/5

ein leberblümchen das der sonne nachblickt
ehe es die augen schließt
die blütenkätzchen der birke troddeln im wind
ein leises raunen in der luft
dazwischen launiges gezwitscher
die vögel erzählen sich nistgeschichten
ein alter mann auf dem weg zur andacht
maria geht ihm nicht aus dem kopf
ein kleiner menschenauflauf
geschlossene schranke
der zug lässt auf sich warten
auch der abendstern
später
der himmel
im mai

© Lisi Schuur

15|2

die silbernen strahlen
über dem herzschlag
des alten flusses
bis zum mond
der sich zugeknöpft zeigt
über den gärten der nahen stadt
die allmählich ahnen
welche farbe ihnen der frühling
bescheren wird
vor dem offenen fenster
baden meine augen
in schimmernden wellen
so leicht dahingeweht
als wären sie ohne jeden halt
derweil die undurchsichtige welt
sich tiefer verdichtet
unergründlich liegen
ihre kartografien
während das unbetretbare leben
mich staunen lässt
verzieren sehnsüchtige lieder die luft
mit flimmernden liebesperlen

© Lisi Schuur

14|2

während in dem schatten der bäume
verlorene gedanken träumen
tauche ich ein
diamanten zu sammeln
in deinen furchen
sind sie verborgen
taste mich vorwärts
den see zu entdecken
der den duft deines leibes trägt
spüre die zeit
wie sie still steht in mir
möchte die alten sprachen vergessen
neue zu erfinden mit dir

© Lisi Schuur

ultimo

nicht in arkadien
stehen sie
als die zeit weiterzieht
im erkalteten garten
ein vogel im frühling
während hortensien
noch herbst
pendeln angefasste herzen
zwischen sendung und empfang
in nebengeschichten
verborgene grasharfen
aber dann ist schon sommer

© Lisi Schuur

Kulturtag Stadt Ratingen 18.2.2018

RATINGEN

UND DIE WELT

LESUNG AM RATINGER KULTURTAG

Literaturkreis ERA
Anke Breuer, Lisi Schuur, Peter von Kapri
Musik: Norbert Krüger

18.02.2018 15:00 Uhr
Stadttheater (rechter Musikraum)

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Schon St. Suitbertus kam nach Ratingen. Die Dumeklemmer haben ihn auf ihre Art empfangen. Weltoffen sind sie geblieben. Alle Wege führen nach Ratingen und von
Ratingen in die Welt. Der Düsseldorfer Airport ist ganz nah. Wir wollen berichten, was sich alles in dieser Stadt und ringsherum in der Welt tut.

30|1/ 2

anders als sonst. ich danke dir. weil ich heute nacht mich selber träumte.
und nun tanze ich im regen. fühle mich wohl dabei.
solltest du es nicht sehen wollen, empfehle ich dir den regenschirm.
wenn du ihn geschickt hältst, gerät alles störende aus deinem blickfeld.
du hast keinen, weil du nie einen benötigt hast?
wunderbar. und wie gut ich dich jetzt verstehe.

© Lisi Schuur

30|1

es gibt tage, denen entkommst du nicht.
was nicht mehr war, ist wieder aufgetaucht.
weder eine tür, die sich öffnet. noch eine, die sich verriegelt.
da ist keine tür.
um dich herum deine aufgetürmten, vergeblichen befreiungsversuche.
vorprogrammiertes ersticken.
wäre da nicht
dein wissen, dass auch dieser tag nach 24 stunden endet.
wie alle tage, die du bisher überlebtest.

© Lisi Schuur

als ginge man durch eine tür

als ginge man durch eine tür
während das moos am gemäuer
das erinnern an nachsommer
kein stifter roman – ganz ohne rosen
zugwinde in der nacht voller brücken
als schleierhafte wirklichkeit
in die augen mohnfelder legte
der wald sich verstellte unseretwegen
die bäume den schatten verließen
über und über getaucht in perlmutt
dieses glänzen unter unseren wimpern
zu sehen nur eine blaue welt
mit dem abbild der sonne in uns
während das moos am gemäuer
die luft voller fliedergedanken

© Lisi Schuur

du bist da

hör den abendwind er singt
von dem mond
er bringt dir träume
sterne sehen aus
wie pures gold

wie der wald romantisch scheint
weil das ahnen
neu erwachte
alle bäume ohne laub
werfen schatten in die nacht

schlafen will der alte fluss
schwere schiffe legen an
auf den deichen
tummeln sich
weiße schafe und ein hund

wie dein mund so nah mir ist
deine lippen
schmecken süß
meine sehnsucht ist gestillt
wenn du bei mir bist

© Lisi Schuur

das fensterbild

das fensterbild erzählte noch von weihnachten.
mit schneeflocken, die unweigerlich auf der krippe landen würden. das sah man an der flugrichtung.
als kind hatte er es verstanden schneeflocken tanzen zu lassen.
es gelang ihm besonders bei leichtem schneefall. er pustete, und er mochte das einsetzende zarte schweben. wie engel in tüll.
jeder träumte bereits vom frühling. nur das fenster blieb unverändert.
etwas merkwürdig nahm es sich aus. zwischen all den primeln auf den fensterbänken der nachbarn. und doch passte alles zueinander. wenn man es richtig besah.
es ging immer um eine ankunft.
jeden morgen sah er nach. und freute sich, dass die krippe wie durch ein wunder schneefrei geblieben war.
es war die einzige freude für ihn geworden in den vielen jahren. umso wichtiger war sie.
mittlerweile war auch der frühling vorbei. umso schöner, dass er auch mitten im heißen sommer die kalten schneeflocken sehen konnte.
gut, dass sie nicht auf der krippe gelandet waren. die hitze des strohs hätte sie geschmolzen.
als schließlich der winter kam, war alles wieder im lot. es schneite im fenster. und die krippe bekam nicht eine schneeflocke ab. das kind musste nicht zusätzlich frieren.
keine primeln lenkten ab. das fenster fiel nicht auf. denn es schneite auch in anderen fenstern.
als man ihn blutüberströmt auf dem bürgersteig fand, durchsuchte man seine wohnung nach einem anhaltspunkt.
es gab nichts zu finden. auch von außen wirkte alles völlig normal. nur das fenster stand offen.
als man es schloss, zeigte sich ein anderes bild.
als ob die flocken trauer trugen.
überall sah man schwarzen ruß. auch die krippe war damit bedeckt.
die spurensicherung hatte ihre arbeit getan.
gut, dass er es nicht mehr sehen konnte.
es hätte das ende für ihn bedeutet.

© Lisi Schuur

das nahe zur festsetzung

der himmel trägt heute
skulpturen geschlossener sätze
an den rändern erste bewegungen
mein blick fällt auf steine im moos
ein lied tastet nach meinem herzen
alles nahe noch näher zu spüren
langsam enthüllt sich der tag
stimmt instrumente sie zu bespielen
maskenlos liegen akkorde
spielen die zukunft vernehmlich
ganz ohne dämmungspedal

© Lisi Schuur

ins stocken

die hochgedrehte haarsträhne verwirrte mich mehr als die aufzeichnungen
seiner lieblingsautoren.
das muss der wahnsinn sein. dachte ich.
und überlegte (in anbetracht der langen reihe wissenschaftlicher bücher),
welche richtung er nimmt.
und ob die sensoren wirklich alarmbereit sind.
heute traf ich jemanden, der mich ungefähr neunmal grüßte.
er saß neben mir. wenn ich meinen kopf in seine richtung drehte, grüßte er mich freundlich. jedesmal grüßte ich zurück.
zum schluss war ich mir nicht mehr sicher. wen von uns er meinte.
verschämt blickte ich vor mich hin.
da hat er mich nicht mehr gekannt.

© Lisi Schuur

23|1

im zusammenhang
mit den kesselnüssen
schiebe ich mir lauter
marzipanblätter in den mund
siehst du sagst du
jetzt sprichst du odenwäldnerisch
ich lache und erkundige mich
nach drachenfrüchten
im dörfchen mit den bunten häusern
trifft mein blick
den versponnenen mond
langsam wachsen die sterne sich aus
mein liebster trägt tasten auf seiner haut
ein klangkörper zärtlichster töne

© Lisi Schuur

19|1

in leiserem regen
durch die baumnadeln hindurch
spannt letzte sonne den bogen
über die baumkronen
geht sanfter wind
zeit für nahaufnahmen
ehe der mond
mein herz betastet
der den nahegelegen fluss
noch nicht wissen lässt
dass er ihm später gebieter wird
wenn sein wasser im meer
einen augenblick lang scheint mir
das leben fortgetrieben
als läge es schon
in mäandernden prielen
doch noch ist die nacht
nur halbwegs im bild

© Lisi Schuur

es war wie immer

der regen hatte aufgehört.
sie hörten das schlagen des gartentores. kurz darauf schellte es.
täglich ging das so.
seit sein vater rentner war, kümmerte er sich um den garten des sohnes.
dadurch konnte er seine spärliche rente aufbessern.
der sohn bezahlte ihn gut, und der vater nahm diese arbeit sehr ernst.
war er fertig mit der gartenarbeit, sagte er seinem sohn bescheid.
der nahm es immer dankend zur kenntnis. der vater nickte ihm kurz zu.
„ich geh dann jetzt.“
„ja, mach das, tschüss.“
die tür fiel ins schloss.
und sie wartete auf das, was seit längerem folgte.
„bin dann auch noch mal weg.“
„ja, mach das, tschüss.“
sie hörte die garagentür quietschen.
es war wie sonst. und sie war froh darüber.
sie hatte sich das fragen abgewöhnt.
das gab nur unruhe.
wenn alles bleibt, wie es ist. muss man sich keine sorgen machen.
es hatte lange gedauert, bis sie zu dieser einsicht gekommen war.
sie setzte sich vor den fernseher.
wie jeden abend.
die serie fing an.
man hatte die folgen verlängert. sie war froh darüber. musste sich keine gedanken über andere programme machen.
wenn die zeit zum betäuben nicht reichte, rief sie eine ihrer freundinnen an.
gemeinsam versicherten sie sich dann, die besten kinder und ehemänner zu haben. und sie unterhielten sich über den studiengang einer der töchter.
sie selber konnte nicht mithalten. weder ihre tochter noch ihre zwei söhne studierten. aber unter wahren freundinnen entwickelt sich kein neidgefühl.
und wenn, dann nur ein vorübergehendes.

das garagentor quietschte.
warum konnte der abend nicht so normal weitergehen, wie er angefangen hatte.
sie seufzte. er war früher als sonst heimgekommen.
die serie war noch nicht fortsetzungsfähig. es fehlten ca. siebzehn minuten. aber letzten endes war das zu verschmerzen.
die neueren geräte erlaubten ständige wiederholungen. also konnte sie später das ende ansehen.
er strich sich mit der hand durchs haar.
das tat er immer dann, wenn er aufgeregt war. sie kannte ihn lange genug.
beide sahen sich an, und hörten eine weile dem wiederbegonnenen regen zu.
„ich wollte dir soviel sagen, weiß aber nicht, wie ich anfangen soll. ach, dann eben nicht. erzähl ich es ein anderes mal.“
„schade, ich hätte es gerne gehört.“
kleine schweißperlen bildeten sich über seiner oberlippe. es hätte sie gewundert, wenn sie nicht gekommen wären.
bei ihm waren es stets schweißperlen gewesen, wenn er aufgeregt war.

ihr fiel der nachmittag ein, an dem sie zunächst vergeblich auf ihn wartete.
es war am anfang ihres zusammenlebens gewesen.
sie hatte sich zur überraschung ein spiel ausgedacht.
redefluss, hatte sie es genannt.
es ging nur darum, ohne unterbrechung zu fabulieren. anhand fünf vorgegebener begriffe. die einer dem anderen vorschlagen musste.
es waren begriffe, die mit dem eigenen leben in verbindung stehen sollten.
auf diese art und weise ließe sich vielleicht etwas neues herausfinden.
etwas, das den partner in ein anderes licht stellte.
doch er kam an jenem tag so spät heim, dass keine zeit mehr für solche beschäftigung blieb.
später hatte sie ihm erzählt von ihrem einfall.
er sah sie verständnislos an.
er sei nicht für spiele, sagte er. und für solche überhaupt nicht.
man könne doch nicht ununterbrochen reden. dabei käme meist dummes zeug heraus. wenig reden, aber vernünftig. das sei deutlich besser. vor allem gäbe es nichts in seinem leben, das so ausführlich dargestellt werden müsse.
und wie man nur auf solche spiele kommen könne.
ab diesem zeitpunkt erfand sie keine spiele mehr.
und wenn sie nun recht überlegte, würde ihr auch nach diesen vielen jahren nichts einfallen, wenn man ihr den vorschlag unterbreiten würde, über sich zu fabulieren.
sie war fertig geworden mit der einstellung des gerätes.
die serie konnte ein ende finden.

© Lisi Schuur

17|1

zwischen wahnsinnig goldenen träumen
seh ich von weitem schon
den halbseitig hochgestellten kragen
seinen kaum gealterten jungenblick
wie seine augen lachperlen streuen
die klingen in allen möglichen tönen
dass es mir die sprache verschlägt

© Lisi Schuur

regenwetter

bei regenwetter. und das war sehr oft. entschied sie sich, geschichten zu suchen. sie fand sie zwischen verwelkten blumen, und vor dem gully streunten sie rum.
es lag so nahe, den deckel zu heben. doch wusste sie nicht, ob er danach wieder richtig zu liegen kam.
als sie noch überlegte, kam ein kind und spuckte kaugummi auf die straße.
schade, dass sie nicht auch welches hatte.
der große schwarze hund hat sein bein gehoben.
an der gelben tonne des nachbarn. das war lustig. sie wünschte, er würde es nochmal tun.
dass so ein hund weiß, welchen ihrer nachbarn sie nicht so prickelnd fand.
höchst erstaunlich.
jetzt war es geschehen. ein auto war über das kaugummi gefahren.
nicht irgendeins. es war ein jaguar der alten sorte.
einer, der noch nach was aussah. mit weißwandreifen und die aktuell sogar mit chewing gum.
der paketbote bohrte sich kurz in der nase, ehe er ausstieg. sie nahm sich vor, handschuhe anzuziehen.
später erklärte sie zum hundertstenmal, warum sie nur maschinenverpackte tomaten aß.

© Lisi Schuur

16|1

sie betrachtet
stundenlang ihre gedanken
die nacht kann nicht hineinfinden
in sich
in das was sie ist
braucht eine dunkelkammer
zu sein
oberflächlich
wie eine lache die sich ausgedehnt hat
ohne erkennungsmerkmale
dass sie am morgen sich wiederfindet
friert sie
nicht am herzen
hatte es abgelegt
ehe sie nackt

© Lisi Schuur

nachts auf dem weg

in der nacht hat ein baum sich verwandelt. ich habe es deutlich gespürt.
es legten sich seine zweige um mich. wie die arme eines menschen, den ich liebe. ich versuchte zu erkennen, um welche baumart es sich handelt.
es gelang mir nicht. diese blätter hatte ich nie zuvor gesehen. auch war ihr duft mir nicht vertraut. dennoch. ich fühlte mich behaglich.
vorsichtig probierte ich aus, ob ich mich hüten müsse vor splittern oder schroffen kanten. meine sorge war überflüssig. umso wohliger konnte mir sein.
mir kam die idee mich auf ihm vorzutasten. ich wusste seine höhe nicht. es begann ein aufregender weg. ich durchquerte flusstäler und weite felder. hohe berge. die ganz schön schwierig waren zu erklimmen. endlich bot sich ein rastplatz an. darauf verweilte ich. über mir hing dichter nebel. ich ersehnte seine feuchte. reckte mich ihm entgegen. wie erfrischend er war. wie neugeboren fühlte ich mich. stark. ich ahnte das ziel.
doch wollte ich es nicht mehr erreichen. die höhe war unwichtig geworden.
stärker ein anderer gedanke. ich wollte die tiefe erkunden.
der abstieg begann. ich verlor viel kraft auf den sommerfeldern.
die sonne setzte mir zu. das laub vertrocknete und bot keinen schatten.
was machst du geliebter? was tust du mir an?
fast hätte ich aufgegeben.
doch schaffte ich es in die auen eines flusses. hier zu verweilen war wunderschön. ich spürte knospen überall.
als hätte das neue das alte ersetzt.
er war plötzlich bei mir. ohne zu klopfen. durch das laub fiel er mir entgegen.
ich hob ihn auf. es duftete stark. wie aufgeblühtes nach dem regen. er sprach mir worte, dass ich sie denke. nie zuvor sind sie gewesen.
erzählte von einem fernen kometen. der herrschte über alles leben.
es hängt eine schrägkabelbrücke in mexico.
die hätte ich gerne genommen.
doch die nacht verlor sich darüber.

© Lisi Schuur

ärgerlich

sie dachte
er suche rosen
im fond seines autos
vielleicht
einen strauß
aus himmel und erde
du weißt schon mit
diesem silbergeflirr
kleinster sterne
aus glitzerndem alupapier
doch als er endlich
tauchte auf
hielt er in der hand
eine flasche bier
sie war unter den sitz
gerollt und keuchend
stand er da mit ihr
und schüttelte den kopf
sie drehte sich verärgert um
und lief ins haus
den öffner zu verstecken

© Lisi Schuur

14|1

wie ein windhauch nur. eine flüchtige berührung. doch lange genug sich zu erinnern.
langsam musste sie sich zurücknehmen.
es war soviel hoffnung, dass die wirklichkeit nicht sein konnte.
das auto, welches täglich vorfuhr. das hundegebell. das schlagen der autotür.
was macht man damit. mit der gewohnheit. wie lange darf sie dauern. ohne misstrauen bleiben.
es war nicht die erste begegnung. doch der himmel schien weiträumiger.
ihr kleid, das so eng saß. doch traute sie sich tief luft zu holen.
bis hinein in die unruhigen zellen. vielleicht ließen sie sich hypnotisieren.
mit liedern im kopf. die laut sein durften.
dann stand er vor ihr. mit schmalem kopf. eingefallenen wangen. großen augen. schwarze hinfällige locken. sagte kein wort. seine rechte seite ein wenig beschattet von diesem alten ahornbaum.
der seine früchte verlor. ein langsames gleiten.
er streckte seine hand aus. als sei sie ein landeplatz.
alles an ihm war weich. jede bewegung. der blick seiner augen.
er nahm ihre hand und legte zwei ahornflügel hinein.
sie wusste nichts damit anzufangen. sie war ja kein kind mehr…
sie lächelten beide.
verlegen begann sie von der kassiererin zu erzählen. die einen cent wechselgeld ablehnte, den ein kunde ihr schenken wollte. ich will ihn nicht, rief sie empört. ich darf ihn nicht annehmen.
der mann ging seiner wege. sie legte den cent auf das band, und bat die nächste kundin ihn zu nehmen. die wollte ihn auch nicht.
schließlich steckte ein herr ihn ein. so, rief er, so, jetzt ist ruhe.
im nächsten moment schalt sie sich. wegen dieser läppischen geschichte.
ihm schien es nichts auszumachen. sein weicher blick veränderte sich nicht.
sie öffnete ihre hand. dass sie leer werde.
im nächsten moment bereute sie es. ihr schien, als segelten träume davon.
doch was hätte sie anfangen sollen mit zwei flügeln.
wäre ich ein vogel. hörte sie sich sagen.

© Lisi Schuur

eigenzeit

nachzudenken über das leben
den zugang dazu
nachdem das warten
aufgehört hat
das unmögliche möglich
nicht zu verpassen
den anderen eingang
der ganz versteckt
nahe des notausgangs
liebe zu leben
die nicht kompliziert ist
wenn man sie teilt
hinter dem reden
das schweigen verstehen
ohne wand dazwischen

© Lisi Schuur

ein ganz gewöhnlicher morgen

jäh fährt sie hoch. hat sie verschlafen? draußen ist es hell.
es ist nicht das tageslicht, stellt sie fest. es musste sich jemand auf der terrasse zu schaffen gemacht haben. der bewegungsmelder war angesprungen und hatte gleichzeitig die beleuchtung ausgelöst.
wahrscheinlich war es eine katze gewesen oder ein hartnäckiger vogel. aber um diese frühe zeit waren noch keine vögel unterwegs. es blieb die katze.
oder.…
sie wagt nicht den gedanken weiterzudenken. ihr ist klar, dass man ans fenster geht und nachsieht.
sie weiß, da kann die decke nichts ausrichten, die sie sich schnell über den kopf zieht. da laufen dramen ab. der kopf ist zum kinosaal geworden. und vor den augen flimmern bilder.
vorsichtig zieht sie nach einer weile die decke etwas zurück. was wäre, wenn sie jemand ansieht, durch das fenster.
da ist niemand zu sehen. es sind die äste eines baumes, die das fenster fast bis zur mitte ausfüllen. dürre äste, die keine angst einjagen können.
zum erstenmal sieht sie diese mit anderen augen. sie sprechen plötzlich zu ihr. und bei genauerem hinsehen, verwandeln sie sich in ihre ursprüngliche form.
es sind menschliche wesen, die dort herumhängen. warum sind sie nicht längst befreit worden. dass sie weglaufen können. der alte mann richtet sich ein wenig auf. und schaut sie an. sie hat ein schlechtes gewissen. sie wird ihm später behilflich sein von dem baum herunterzukommen. sie weiß, wie sie es anstellen wird. die äste sind dürr. es wird kein problem für die säge sein. auch die kleinen kinder, die dort hängen. sie wird sie alle befreien.
dass der himmel wieder sichtbar werden kann.
draußen ist immer noch künstlicher tag.
der film hat noch kein ende gefunden.
sie hört eine katze schreien. es wird max sein. den sie seit jahren vermisst.
sie sollte das fenster öffnen, dass er hineinfinden kann. sie beobachtet kurz den alten mann. er scheint seine befreiung zu ahnen. er verhält sich ganz still.
im hintergrund färbt sich der himmel rot. nimmt diese röte aber nach einiger zeit zurück. es kann also nicht der morgen gewesen sein.
ihr fällt ein, dass sie versäumt hat dem knall nachzugehen, gestern am frühen abend. ein lauter knall vor der fensterscheibe. wahrscheinlich liegt ein toter vogel draußen. den könnte eine katze bemerkt haben. erleichtert schiebt sie die bettdecke etwas weg.
kurz darauf ist der künstliche tag beendet.
sie beschließt noch etwas zu schlafen. denkt an den alten mann und die kinder. überlegt, sie hängen zu lassen.
was aber, wenn der knall ein schuss war. sie versucht sich das geräusch noch einmal in erinnerung zu rufen. tatsächlich. so klingt doch kein vogel beim aufprall. es muss ein schuss gewesen sein.
erschrocken nimmt sie decke und zieht sie sich wieder über den kopf.
der täter draußen vor dem fenster soll ihren kopf nicht als zielscheibe nehmen können.
wie weit fliegt so eine kugel eigentlich.
zunächst muss sie die scheibe durchstoßen. ob sie dadurch etwas gebremst wird?
vorübergehend fühlt sie sich sicher unter der decke. ihre hand schiebt sich in richtung nachttisch.
darauf ertastet sie das handy und nimmt es mit unter die decke.
wie war das noch mit dem notruf, den man immer auslösen konnte.
hoffentlich auch dann noch, wenn sie erschossen, aber noch in den letzten zügen, irgendeine taste drückt.
die idee jemand anzurufen, der ihr schon vor dem schuss behilflich sein könnte, kommt ihr nicht. aber das ist wohl so.
wenn man den tod vor augen hat, will man allein sein. sich in das schicksal. das unabwendbar ist, ergeben.
sie hält den atem an.
dass der mörder keine bewegung unter der decke bemerken kann.
als ihr fast die luft ausgeht, schiebt sie notgedrungen die decke etwas weg.
im zimmer ist es heller als zuvor.
vorsichtig schaut sie zum fenster. leise, dass ihre blicke keinen lärm machen können, sie zu verraten.
draußen ist das tageslicht sichtbar.
da wird sich der mörder nicht wagen ans fenster zu treten.
ihn könnte ja jeder sehen. die gefahr scheint fürs erste gebannt.
sie atmet etwas auf. es ist ganz still im zimmer.
wie die ruhe vor dem sturm. geht ihr durch den kopf.
sie sammelt sich und ihre gedanken ein. es wird immer heller.
todesmutig beschließt sie ans fenster zu gehen. nachzusehen, ob ein toter vogel draußen liegt.

© Lisi Schuur